SySt zu anderen vergleichbaren Verfahren

SySt zu anderen vergleichbaren Verfahren

Charakterisierung des Verfahrens der
Systemischen Strukturaufstellungen


SySt sind ein Gruppensimulationsverfahren. Spezifisch charakterisiert sind SySt durch (I) lösungsfokussiertes, (II) syntaktisches (von Deutungen möglichst weitgehend absehendes) und (III) systematisch ambiges (zugleich mehrere Symbolisierungsebenen betreffendes) Vorgehen. Grundlage der Arbeit ist (IV) die repräsentierende Wahrnehmung.

Gruppensimulationsverfahren:
Vorgehensweise, bei der die in einem Vorgespräch benannten, im Moment relevanten Elemente des darzustellenden Systems mit RepräsentantInnen (Personen oder Symbole) im Raum dargestellt, und so Strukturen, Verhalten und Änderungstendenzen dieses Systems simuliert werden. So können z.B. bei der Frage nach einer Konfliktlösung in einem Team als Elemente des Systems Teammitglieder, FirmenleiterInn, Firma, Ziele und KundInnen durch RepräsentantInnen dargestellt werden.

(I) Lösungsfokussiertes Vorgehen:
Interventions- und Gesprächsführungsmethodik, die auf den Ideen und Prinzipien der Schule von Milwaukee (Steve de Shazer, Insoo Kim-Berg) aufbaut und bei der Merkmale der Lösung wesentlicher sind als die des Problems. KlientInnen werden dabei angeleitet, ihre Lösungsmöglichkeiten so zu beschreiben als ob eine Lösung schon erfolgt wäre. Dadurch erleben sie erweiterte Handlungsspielräume und neue Perspektiven.

(II) Syntaktisches Vorgehen:
Die Systemischen Strukturaufstellungen basieren auf Logischen und Philosophisch-
Systemtheoretischen Grundannahmen. Dadurch ergeben sich allgemeine Strukturen, die es ermöglichen, weitgehend auf Inhalte und Deutungen insb. von Seiten der AufstellungsleiterInnen zu verzichten. So wird es bei einem Entscheidungsdilemma stets mindestens zwei Möglichkeiten der Entscheidung geben, aber darüber hinaus können auch übersehene Vereinbarkeiten und nicht berücksichtigte Kontextbedingungen eine Rolle spielen. Das Inhaltliche erforschen dieser unterschiedlichen Perspektiven und ihre Bewertung bleibt den KlientInnen überlassen.

(III) Systematisch ambiges Vorgehen:
Interventionsform, bei der die verwendeten Symbole absichtlich und systematisch mehrdeutig gelassen werden, damit für die KlientInnen zugleich mehrere Systemzusammenhänge (z.B. Familien- und Arbeitskontext) berührt werden können und die KlientInnen selbst eine (in der Regel teils bewußte, teils unbewußte) Auswahl treffen können, welche Themenkreise bei der Arbeit offen behandelt und welche mit größerem Schutz nur verdeckt berührt werden sollen.

(IV) Repräsentierende Wahrnehmung:
RepräsentantInnen werden von KlientInnen benannt und aufgestellt, z.B. als Familienmitglied, ChefIn, oder auch völlig verdeckt und nur mit einem Buchstaben benannt. Sie erfahren spontan Körper- und Fremdwahrnehmungen, die in Übereinstimmung mit Strukturen und Veränderungstendenzen eines dargestellten Systems stehen. Repräsentierende Wahrnehmung ist die Fähigkeit des Menschen, in einem Aufstellungsbild die Qualität der Stellung und der Beziehung der dargestellten Systemelemente zueinander durch spontane Veränderung der Körperwahrnehmung abzubilden.


Einige kurze Anmerkungen zu Charakteristika anderer Gruppensimulationsverfahren:

Methoden von Jakob L. Moreno:

Psychodrama:
Klientinnen gehen in verschiedene relevante Beziehungspositionen ihres Systems und spielen das Verhalten der relevanten Personen in kritischen Situationen. Beim sog. „Doppeln“ erhalten RollenspielerInnen detaillierte Anweisungen von den KlientInnen zur spielerischen Darstellung von für die KlientInnen relevanten Szenen aus dem betreffenden Systemzusammenhang (etwa der Familie oder der Berufssituation). Dabei entstehen überraschende neue Sichtweisen und Handlungsoptionen, die in ihren möglichen Auswirkungen mit Variationen erprobt werden können. Auf diese Weise werden neue Lösungen für die dargestellten Konflikte entwickelt (ein in Therapie und Organisationsberatung bekanntes und bewährtes Verfahren).

Soziometrie:
Darstellung sozialer Beziehungsgefüge mittels unterschiedlicher Reihenfolgen und Distanzen in räumlichen Anordnungen von Personengruppen.

Methoden von Virginia Satir:
Gruppensimulationen im Rahmen der entwicklungsorientierten Familientherapie anhand von Angaben der KlientInnen.

Familienrekonstruktion:
Symbolischer ritueller Nachvollzug wichtiger Szenen aus der Familiengeschichte auf der Grundlage des Genogramms und der Erinnerungsberichte aus der Klientenfamilie Familienskulpturarbeit: Darstellung von Beziehungsstrukturen und kurzen Choreographien von unterschiedlichen Beziehungshaltungen der Mitglieder des Familiensystems zueinander, häufig auf spezifische kritische Situationen bezogen. Personengruppen nehmen dabei prototypische Haltungen aus einem eng begrenzten „Vokabular“ (den sog. Satir-Kategorien) ein, wechseln zur Darstellung szenischer Abläufe diese Haltungen und verwenden von den KlientInnen vorgeschlagenen und spontan neu entstehende Sätze.

Parts Party:
KlientInnen wählen prototypische Gestalten für besonders bewunderte und für besonders abgelehnte Eigenschaften und lassen diese von RollenspielerInnen verkörpern, die dazu ein minimales Skript von Gesten, Sätzen, Requisiten u.a. erhalten und dann auf unterschiedliche Weisen, mit diesen Skripten auftretend, in Kontakt gebracht werden. Dabei entsteht eine Darstellung innerer Anteile der KlientInnen und eine Versöhnung mit problematischen Teilen.


Unterschiedliche Formen von Familienaufstellungen

Virginia Satir:
Frühe Verwendung von Konstellationen im Familienkontext zur Darstellung von Beziehungsstrukturen in Familien durch Anordnung von Personengruppen als Modellsystem; eingebettet in die entwicklungsorientierte Familientherapie.

Ruth McClendon und Les Kadis: Familienaufstellungen mit Personengruppen auf Grundlage des Satirschen Familientherapie (Hellinger lernte dort Familienaufstellungen mit Personengruppen kennen).

Thea Schönfelder:
Familienaufstellungen mit symbolischen Anordnungen von Figuren und anderen Gegenständen, aufbauend auf Prinzipien der konzentrativen Bewegungstherapie (Hellinger lernte dort Familienaufstellungen mit Symbolen kennen).

Anton Suitbert (=Bert) Hellinger:
Darstellung von Familiensystemen durch Anordnungen von Personengruppen, ursprünglich als statische Anordnungen ohne Gestik und von den KlientInnen angeordnet, in jüngerer Zeit zunehmend (sog. „Bewegungen der Seele“) vom Leiter aufgestellt und in längere Bewegungsabläufe übergehend. Als systemisch-phänomenologische Arbeit bezeichnete stark leiterzentrierte Form der Aufstellungsarbeit, die u.a. aufgrund des stark provokativen Vorgehens, der Hintergrundannahmen und der Tendenz zu starken Deutungen gegenwärtig heftig umstritten ist.

Gunthard Weber:
Ansätze zur Verbindung der systemisch-phänomenologischen Familienaufstellungen mit systemisch-konstruktivistischen Ansätzen und Denkweisen der Heidelberger Schule (Helm Stierlin) der Familientherapie

Gunther Schmidt:
Hypnosystemischer Ansatz; Vorgehensweise auf der Grundlage der Ericksonschen Hypnotherapie bei der die Therapeutin und manchmal der Klient selbst im Gespräch u.a. die Rollen innerer Anteile des Klienten spielen und in Kooperation mit den KlientInnen dynamische Skulpturen zur Kreation neuer Handlungsoptionen unter Verwendung hypnotherapeutischer Sp0rachmuster verwendet werden

Insa Sparrer & Matthias Varga von Kibéd:
Systemische Strukturaufstellungen Gruppensimulationsverfahren auf der Basis der Rückmeldungen der RepräsentantInnen (Personen im Modellsystem) über Unterschiede in der Körperwahrnehmung (ohne inhaltliche Information), durchgeführt anhand einer von Varga von Kibéd und Sparrer entwickelten systematischen Interventionsgrammatik, wobei das Vorgehen stetig an Befindlichkeitsveränderungen der RepräsentantInnen und des Klienten gemessen wird. Allparteiliches Vorgehen und fortschreitender Verzicht auf Deutungen. Werden angewendet in Therapie, Organisationsberatung, Coaching, Mediation und Kreativitätsförderung.

Rollenspiele:
Methoden, um Handlungen in einem geschützten Kontext spielerisch erproben und üben zu können; werden etwa in bestimmten Formen des Verhaltenstrainings sehr häufig verwendet.

Spatial Sorting (Paul Z. Jackson):
Kombination lösungsfokussierter Fragemethoden und Skalierungen mit soziometrischen Methoden im Sinne Morenos.