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Problemaufstellung

(Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd)

Es werden die Teile, die aus unserer Sicht zur "Grammatik" (im Sinne des späten Wittgenstein) des Wortes "Problem" gehören, aufgestellt. Es handelt sich dabei um folgende Teile:

Focus
Dies ist die Trägerin des Problems. Dies kann eine Einzelperson oder eine Gruppe betreffen. Der Focus ist insofern erforderlich, als ohne eine Trägerin des Problems dieses eben für niemanden relevant ist. Wir haben es sonst mit einem akademischen Problem zu tun, über das nachgedacht und diskutiert wird, das also möglich wäre, aber das sich zur Zeit noch in keiner Beziehungsstruktur zeigt.

Ziel
Ohne Ziel hätten wir kein Problem, sondern einen unklaren Zustand, etwa den eines Besuchers im Sinne der SFT. Jedes Problem setzt voraus, dass ein gewünschtes Ziel nicht erreicht werden kann. Das Ziel kann dabei natürlich auch die Nichtveränderung des Zustands sein.

Hindernisse
Wenn man von einem Problem hört, denkt man zunächst an auftretende Hindernisse. Ohne Hindernis hätten wir im allgemeinen kein Problem, da sich dann nichts der Zielerreichung in den Weg stellen könnte. Wir verwenden für die Problemaufstellung meist ein bis drei Hindernisse. Gibt es noch mehr Hindernisse, so werden sie in drei Gruppen zusammengefasst.

Die Hindernisse wandeln sich im Verlauf der Aufstellung um, zunächst in Schutzwälle und dann in Helfer. Hier findet während der Aufstellung ein internes Reframing statt. Wir sprechen daher von Repräsentanten mit intendiertem Mehrfachreframing.

Ressourcen
Bei den SySt gehen wir, wie dies auch in der SFT der Fall ist, davon aus, dass KlientInnen alle Ressourcen, die sie zur Lösung des Problems benötigen, bereits haben. Wenn wir erst etwas lernen müssen, um ein Problem zu lösen, sprechen wir eher von einer Schwierigkeit als von einem Problem. Ein Beispiel hierfür wäre das Erlernen von neuen Fähigkeiten. Psychologische Probleme sind dadurch gekennzeichnet, dass die Lösung in uns liegt und wir bereits alle dafür nötigen Ressourcen besitzen, also nichts mehr erlernen müssen, um das Problem zu lösen.

Gewinn
Dies ist der Nutzen, der dadurch entstand, dass das Problem noch nicht gelöst ist. Der Gewinn ist häufig bei einem Problem nicht bekannt. Manchmal besteht er auch nur in einer Energieeinsparung. Solange wir das Problem haben, müssen wir nichts ändern und können unserer alltäglichen Routine folgen. Die Problemlösung erfordert eine Änderung, die mit der Aufgabe der Routine verbunden ist und Kraft und Aufmerksamkeit erfordert. In dieser Hinsicht ist oft die Lösung des Problems schwerer als das Weiterleiden am Problem.

Da der Gewinn für die Lösung des Problems in der gegenwärtig bestehenden Form aufgegeben werden muss, wird er zum Preis, der zu bezahlen ist für die Lösung des Problems. Es ist jedoch wichtig, dass er in der Lösung auf irgendeine Weise berücksichtigt wird. In dieser Berücksichtigung wird er zur Kostbarkeit, die auf neue Weise wiedergewonnen wird. Der Gewinn wird in der Problemaufstellung auch als ein Repräsentant mit intendiertem Reframing dargestellt.

Zukünftige Aufgabe
Wenn das Ziel erreicht ist, gibt es im allgemeinen danach eine neue Aufgabe, die es dann zu verwirklichen gilt. Manches Problem besteht auch darin, dass der zweite Schritt vor dem ersten getan wird. In diesem Fall wurden zukünftige Aufgabe und Ziel verwechselt.

Die Berücksichtigung der zukünftigen Aufgabe ist auch dann erforderlich, wenn die künftige Aufgabe die Klientin vor noch größere Probleme stellt als die Erreichung des Ziels. Wir finden eine derartige Konstellation bei beruflichen Abschlussprüfungen, wenn die Unsicherheit der Stellensuche höhere Anforderungen an die Klientin stellt als das Lernen auf die Prüfung. In solchen Fällen kann aus Angst oder unbewusster Scheu vor der künftigen Stellensuche die Erreichung des gegenwärtigen Ziels zum Problem werden. Die künftige Aufgabe stellt hier den Kontext des Ziels dar.

Alle diese Teile der Problemaufstellung werden als Repräsentanten im engeren Sinn aufgestellt. Die Problemaufstellung dient für verschiedene andere Systemischen Strukturaufstellungen als Grammatik. Dies bedeutet, daß diese anderen Systemischen Strukturaufstellungen durch Teile der Problemaufstellung ergänzt werden können.
Aufgrund ihrer sehr allgemeinen Grammatik sind Problemaufstellungen für fast alle Anliegen geeignet, da die meisten Anliegen als Probleme in diesem Sinn rekonstruierbar sind. Wir können die Problemaufstellung als ein Koordinatensystem auffassen, dessen Koordinaten die einzelnen Teile der Problemaufstellung sind. Andere Systemische Strukturaufstellungen bieten andere Koordinaten zur Darstellung des Anliegens der Klientin an. Welche Koordinaten wir wählen, ist von der Fragestellung abhängig. Anliegen lassen sich häufig in verschiedenen Systemischen Strukturaufstellungen darstellen.

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